100 Tage nach dem Anschlag von Hanau

16 Jun
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Kreisjugendring Miltenberg
des Bayerischen Jugendrings KdöR
Positionierung KJR Miltenberg gegen rechte Gewalt und Hetze
„Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir widerspruchslos hinnehmen.“
Arthur Schopenhauer
100 Tage ist es nun her. 100 Tage, seit ein mutmaßlich rechtsextremer Einzeltäter in Hanau 9 junge Menschen, seine Mutter und anschließend sich selbst erschossen hat.
Der 19. Februar 2020 hat bei uns im Vorstand große Bestürzung und Fassungslosigkeit ausgelöst. Plötzlich war der Terror ganz nahe bei uns in der Gegend. Einige Mitglieder aus dem KJR Vorstand kennen die Orte, an denen die tödlichen Schüsse geschahen und waren auch selbst mit Freunden und Familie dort. Plötzlich waren die Opfer nicht mehr nur Unbekannte, sondern Menschen, aus Familien, die man kennt – mit denen man vielleicht auch schon mal geredet und gemeinsam gelacht hat.
Das macht uns auf ganz besondere Art und Weise betroffen.
Wir wollen aber nicht nur Menschen sein, die betroffen und berührt sind. Wir wollen aktiv sein und unsere Stimme erheben gegen den offensichtlich immer stärkeren und lauter werdenden Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus.
Was wir sehen
Wir nehmen wahr, dass der „Ton“ – gerade in den sozialen Medien – immer rauer wird. Das vormals unaussprechliche wurde wieder sagbar. Zunehmend werden Texte mit rechtsextremen oder rechtsradikalen Inhalten vorbehaltlos geschrieben und geteilt. Es sind „Dämme“ gebrochen und es wurde offen davon gesprochen „notfalls die Flüchtlingszuwanderung mit Schusswaffengebrauch zu stoppen.“1 Mit brachialen Aussagen wie diesen wurde in den vergangenen Jahren die Grenze dessen verschoben „was doch mal gesagt werden muss.“ Für uns als junge Menschen, die sich ehrenamtlich in verschiedenen Vereinen und Verbänden engagieren sind solche Aussagen mit verantwortlich, warum sich Menschen radikalisieren und sich letztendlich „verantwortlich“ fühlen endlich den Worten auch Taten folgen zu lassen.
Was wir wollen
Wir wollen uns klar positionieren. Wir wollen uns klar auf die Seite derjenigen stellen, die in zunehmender Weise beleidigt, diffamiert oder gar bedroht werden. Wir wollen nicht hinnehmen, dass eine Minderheit in diesem Land den Ton angibt und sich hinter der „Meinungsfreiheit“ versteckt. Die Meinungsfreiheit verstehen wir als ein hohes Gut, doch endet diese wo Menschen aus rassistischen oder anderen Gründen ausgegrenzt werden.
Was wir tun
1 http://www.express.de/news/skandal-forderung-afd-politiker-marcus-pretzell-will-fluechtlinge-mit-waffen-stoppen–23094688 (vom 02.11.2015 aufgerufen am 04.05.2020)
Kreisjugendring Miltenberg
des Bayerischen Jugendrings KdöR
Wir thematisieren Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in den Zusammenhängen der Jugendarbeit in unserem Landkreis. Wir beziehen aktiv Stellung und versuchen Desinformationen auf den Grund zu gehen. Wir gehen aktiv gegen Hate Speech vor und bieten auch entsprechende Seminare dazu an. Wir werden menschen- und gruppenverachtenden Aussagen widersprechen wo wir ihnen begegnen und uns aktiv mit der Thematik weiter auseinandersetzen. Dazu bauen wir ein Netzwerk auf in dem wir uns weiter engagieren wollen. Wir setzen uns dafür ein, dass bei uns – sei es in Gremien, bei Veranstaltungen oder in entsprechenden Seminaren – Demokratie und demokratische Grundstrukturen gelernt und eingeübt werden können. Wir treten ein für die Wahrung der Menschenrechte. Sie sind die Basis für den demokratischen Diskurs. „Diese Grenzen des Sagbaren sind dort erreicht, wo Menschen aus rassistischen Gründen ausgegrenzt werden.“2
Wir #sagenihreNamen: Ferhat, Gökhan, Hamza, Said Nessar, Mercedes, Sedat, Kaloyan, Fatih und Vili. Im Gedenken an neun junge Menschen, die völlig unschuldig an einem Mittwochabend im Februar gewaltvoll aus dem Leben gerissen wurden.
Miltenberg, den 29.05.2020
Der Vorstand des KJR Miltenberg
Impressum: V.i.S.d.P.: Alison Wölfelschneider (Vorsitzende) Postfach 12 26 63882 Miltenberg vorstand@kjr-miltenberg.de
Definition Rechtsextremismus: Rechtsextremismus ist eine Sammelbezeichnung für faschistische, neonazistische oder chauvinistisch-nationalistische politische Ideologien und Aktivitäten. Sie orientieren sich an einer ethnischen Zugehörigkeit, bestreiten und bekämpfen den Anspruch aller Menschen auf soziale und rechtliche Gleichheit und vertreten ein antipluralistisches, antidemokratisches und autoritäres Gesellschaftsverständnis. Politisch wollen sie den Nationalstaat zu einer autoritär geführten „Volksgemeinschaft“ umgestalten. „Volk“ und „Nation..“ werden dabei rassistisch oder ethnopluralistisch definiert. (Quelle: wikipedia aufgerufen am 18.05.2020)
2 Quelle: https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/rechtsextremismus-rechtspopulismus/was-kannst-du-tun-rechtsextremismus/ aufgerufen am 18.05.2020

 

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